Den Preis verliehen ihm Prof. Dr. Christian Pfleiderer und Prof. Dr. Martin Müller, die wissenschaftlichen Direktoren des MLZ, im Rahmen des MLZ User Meetings Ende 2025. Laudator Christian Pfleiderer berichtet von seinen ersten Jahren an der TUM: Als frisch berufener Professor erhielt er von Stephan Paul wertvolle Ratschläge und nahm gemeinsam mit ihm Diplomhauptprüfungen ab. „Ich war zum Teil froh, dass ich selbst nicht auf diese Fragen antworten musste“, gestand Christian Pfleiderer.
„Hat die gesamte Community geformt“
An den FRM II und das MLZ kam Stephan Paul sehr früh. Von 2008 bis 2010 war er Mitglied des Instrumentierungsrats und von 2011 bis 2020, „ab dem ersten Tag“, wie Laudator Christian Pfleiderer sagt, Mitglied des MLZ-Koordinierungsrats. „Stephan Paul ist jemand, der eine gesamte Community geformt hat. Er ist der Repräsentant für die Teilchenphysik mit Neutronen“, lobt Christian Pfleiderer seinen Kollegen.
Instrumente zum Laufen bringen
In seinem anschließenden Plenarvortrag bedankte sich Stephan Paul für die „riesige Ehre“, den Preis erhalten zu haben. „Ich habe den Forschungsreaktor vom ersten Tag an ins Herz geschlossen und war aktiv dabei, die Instrumente am FRM II zum Laufen zu bringen“, fügt er hinzu.
Wie ist die Antimaterie verschwunden?
Dann tauchte er gleich in sein Fachgebier: Neutronen in der Teilchenphysik. Und ganz besonders die ultrakalten Neutronen. „Es macht riesigen Spaß mit Neutronen zu forschen“, gesteht Stephan Paul gleich zu Anfang seine Leidenschaft. Neben den ultrakalten Neutronen „kann man herlaufen“, da sie nur 5 Meter pro Sekunde schnell sind. Und diese Neutronen sind laut Stephan Paul extrem wichtig, um zu verstehen, wie sich das Universum nach dem Urknall entwickelt hat. Gab es mehr als drei räumliche Dimensionen? Warum dominiert Materie über Antimaterie?
Ultrakalte Neutronenquelle
All das kann man mit den wissenschaftlichen Neutroneninstrumenten untersuchen, die der Lehrstuhl von Stephan Paul entwickelt und betreut: die geplante ultrakalte Neutronenquelle, die zwei Instrumente versorgen soll.
Bei der Übergabe des Preises, einem Miniaturmodell des FRM II-Reaktors, sorgt Stephan Paul für Gelächter bei den rund 250 wissenschaftlichen Gästen: „Wow, wo ist der Anschaltknopf?“
Mehr Informationen über Stephan Paul:
Nach seinem Studium der Physik an der Universität Bonn promovierte Stephan Paul an der Universität Heidelberg. Er forschte am Max-Planck-Institut für Kernphysik in Heidelberg, war Forschungsstipendiat am CERN, wo er bis heute Vorsitzender des „COMPASS Collaboration board“ ist. 1997 wurde Stephan Paul an den TUM-Lehrstuhl für Experimentalphysik I berufen. Sein Lehrstuhl erforscht fundamentale Symmetrien in der Teilchenphysik. Zu den größten Erfolgen von Stephan Paul an der TUM gehört neben seinen wissenschaftlichen Beiträgen die Koordination des inzwischen viermal in der deutschlandweiten Exzellenzinitiative erfolgreichen Exzellenzclusters Universe, der inzwischen ORIGINS heißt. Diese Cluster hat er von 2006 bis 2025 koordiniert. Für seine Verdienste erhielt er 2010 unter anderem das Bundesverdienstkreuz und 2006 die Heinz Maier-Leibnitz-Medaille der TUM.