Belle II zeichnet Rekorddatensatz verschränkter B-Mesonen auf

Das Belle II-Experiment hat den weltweit größten Datensatz verschränkter B-Meson-Paare aufgezeichnet. Daran forschen ORIGINS-Wissenschaftler Prof. Thomas Kuhr und sein Team von der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie die Gruppe von Prof. Stephan Paul an der Technischen Universität München gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für Physik. Der neue Rekord übertrifft die Datenmenge des Vorgängerexperiments Belle und ermöglicht Präzisionsmessungen mit bisher unerreichter Genauigkeit.

Der Belle II Detektor. © Belle II Collaboration/KEK 

Mit dem SuperKEKB-Beschleuniger am japanischen Institut für Hochenergiephysik, KEK, in Tsukuba werden Elektronen und Positronen auf eine Energie von sieben beziehungsweise vier Gigaelektronenvolt beschleunigt und zur Kollision gebracht. Dabei entstehen unter anderem gebundene Zustände aus einem Bottom- und einem Anti-Bottom-Quark, die in Paare von B-Mesonen zerfallen. Die B-Mesonen bestehen aus einem Bottom- und einem leichten Up- oder Down-Quark und befinden sich in einem verschränkten Zustand. Aufgrund dieser quantenmechanischen Verschränkung wird der Zustand des einen B-Mesons festgelegt, wenn das andere zerfällt, ohne dass zwischen beiden ein direkter Austausch stattfindet.

Warum Materie übrig blieb

Dies ermöglicht es, Unterschiede im Verhalten von B-Mesonen und Anti-B-Mesonen zu untersuchen. Unterschiede zwischen Materie und Antimaterie sind erforderlich, um zu erklären, weshalb es in unserem Universum nur Materie und praktisch keine Antimaterie gibt. Allerdings sind die bisher beobachteten Unterschiede nicht ausreichend, um die Materie-Antimaterie-Asymmetrie in unserem Universum zu erklären. Die Asymmetrie ist eine Grundvoraussetzung für die Entstehung von Galaxien und letztlich von Leben. Ihre Erforschung zählt zu den aktiven Forschungsfeldern im ORIGINS-Cluster.

Neben der Verschränkung von B-Mesonen zeichnen sich die von Belle II aufgezeichneten Kollisionsereignisse dadurch aus, dass die Anfangsbedingungen genau bekannt sind und es keinen Untergrund durch Prozesse der starken Wechselwirkung wie am LHC gibt. Dadurch sind einzigartige Messungen von Zerfällen mit „unsichtbaren“ Teilchen wie Neutrinos oder dunkler Materie möglich. Auch Messungen sogenannter exotischer Zustände, bestehend aus mehr als drei Quarks profitieren von den „reinen“ Bedingungen.

Mehr Daten, schärfere Messungen

Um Fortschritt im breiten, von Belle II abgedeckten Forschungsgebiet zu erzielen, muss die Messpräzision gesteigert werden. Dies bedeutet, dass eine größere Anzahl von Ereignissen aufgezeichnet werden muss, um auch kleine Effekte beobachten zu können, die Hinweise auf die Lösung fundamentaler Fragen wie den Ursprung der Materie-Antimaterie-Asymmetrie im Universum oder auf die Identität dunkler Materie geben können. Die Kollisionsrate konnte bei SuperKEKB bereits um mehr als den Faktor zwei gegenüber dem Vorgänger gesteigert werden. Mit dem der Aufzeichnung des weltweit größten Datensatzes von verschränkten B-Meson-Paaren ist ein weiterer Meilenstein erreicht (siehe auch https://www.kek.jp/en/press/202606051400).

„Diese Spitzenleistung war nur durch die jahrelange Zusammenarbeit vieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit möglich“, sagt Professor Kuhr. „Es ist ein Meilenstein für das Belle II-Physikprogramm. Mit dem Datensatz werden Messungen mit bisher unerreichter Präzision möglich. Wir werden in den nächsten Jahren viel darüber lernen, wo sich neue Physik befindet und wo nicht.“

Der SuperKEKB-Beschleuniger und das Belle II-Experiment pausieren derzeit für Wartungsarbeiten und kleine Verbesserungen. Anfang nächsten Jahres wird die Datennahme wieder aufgenommen. Parallel dazu wird ab 2032 ein größeres Upgrade des Beschleunigers und des Detektors geplant. Neue Rekorde und spannende Physik-Resultate sind in den kommenden Jahren zu erwarten.

Die Forschung am Belle II-Experiment wird vom BMFTR sowie im Rahmen des Exzellenzclusters ORIGINS durch die DFG gefördert.

 

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Kontakt:
Prof. Dr. Thomas Kuhr
Ludwig-Maximilians-Universität München / Exzellenzcluster ORIGINS
E-Mail: Thomas.Kuhr(at)lmu.de